Liebe Gläubige!
Das Bild mit der Heiligen Familie lädt uns ein, auf das zu schauen, was Gott für jede Familie möchte: ein Leben in Glaube, Treue und Liebe. Maria und Josef hören ganz auf Gott, vertrauen sich seiner Führung an und scheuen auch schwere Wege nicht. Im Mittelpunkt steht das Jesuskind – der menschgewordene Sohn Gottes –, der uns von der Sünde erlöst und den Weg zum Vater öffnet. Die Heilige Familie zeigt uns ein schlichtes, verborgenes, aber tief heiliges Leben – ein Vorbild für unsere Familien und unser persönliches Leben vor Gott.
Zugleich wollen wir unseren Blick auf die Fastenzeit richten, die heuer am 18. Februar beginnt und eine ernste, aber gnadenreiche Zeit sein soll. Christus ruft uns zu: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Sie ist keine bloße Tradition oder Verzichtsübung, sondern eine klare Erinnerung daran: Sünde trennt uns von Gott. Angesichts der Verdunkelung von Ehe, Familie und Beziehungen in unserer Zeit sind wir umso mehr gerufen, uns bewusst von der Sünde abzuwenden – in Gedanken, Worten und Werken – und neu den Weg der Gebote Gottes zu gehen.
Der heilige Papst Johannes Paul II. erinnerte uns: Wahre Freiheit gibt es nur in der Wahrheit und in der Abkehr von der Sünde. Der Mensch findet sich nur in der aufrichtigen Hingabe seiner selbst – eine Hingabe, die Umkehr und Kreuzesnachfolge verlangt. Die Fastenzeit lädt uns ein, ehrlich zu prüfen: Wo widerspreche ich der Lehre Christi? Wo habe ich mich mit Gewohnheitssünden abgefunden? Wo weiche ich der Wahrheit aus, weil sie unbequem ist?
Die Kirche gibt uns klare Hilfen: Am Aschermittwoch und Karfreitag sind alle volljährigen Gläubigen bis zum 60. Lebensjahr zum strengen Fasten verpflichtet (eine einzige sättigende Mahlzeit, höchstens zwei kleine Stärkungen). An diesen Tagen sowie an allen Freitagen gilt für alle ab 14 Jahren die Enthaltung von Fleisch. Diese Kirchengebote sind verbindlich und helfen uns, Leib und Herz für Gott zu öffnen.
Außerdem lädt uns die Kirche zu freiwilliger Buße und Gebet ein.
Hier sind einige konkrete Vorschläge, die vielen Gläubigen in dieser Zeit hilfreich erscheinen:
- Eine tägliche Gebetszeit einzuplanen, z. B. für den Rosenkranz oder die Betrachtung der Tagesevangelien.
- Zu überlegen, von welcher Gewohnheit man sich freimachen könnte: etwa übermäßiger Medienkonsum, Nachlässigkeit im Sonntagsgottesdienst oder in der Sonntagsheiligung.
- Almosen und Werke der Nächstenliebe als untrennbaren Teil der echten Buße zu betrachten:
Fasten ohne Liebe bleibt leer. - Vor allem das Sakrament der Versöhnung (Beichte) in dieser Fastenzeit in Anspruch zu nehmen – möglichst gut vorbereitet, in aller Ehrlichkeit und im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit.
Die Heilige Familie zeigt: Heiligkeit beginnt im Alltag – im geduldigen Tragen, treuen Erfüllen der Pflichten, im Zurücknehmen des eigenen Ichs. Die Erneuerung der Kirche beginnt mit der Umkehr jedes Einzelnen. Papst Johannes Paul II. nannte die Heilige Familie die „Schule von Nazareth“, in der wir Gehorsam, Einfachheit und Gottverbundenheit lernen.
Bitten wir Maria und den heiligen Josef, uns in dieser Fastenzeit zu begleiten, uns Mut zur Beichte und echten Umkehr zu schenken und unsere Familien im Glauben zu stärken. Möge diese Bußzeit der Beginn einer tieferen Freundschaft mit Jesus sein, die uns zur Freude der Auferstehung führt.
Mit herzlichen Segensgrüßen
Euer Stiftspfarrer P. Thomas M. O.Cist.

